FB

Unser BLOG

22 Sep 2017

Digitalisierung als Chance!

Das Handwerk der Zukunft ist digital

Georg Kerschbaumer von der Internetagentur Trendstudio und Hannes Pfeifer von Directa Media, Lettershop und Dialogagentur, diskutieren über die Chancen der Digitalisierung für Südtirols Kleinbetriebe.

 

Wie ist das Handwerk in Südtirol bei der Digitalisierung aufgestellt?
Kerschbaumer: Bei der Kommunikation hat die Digitalisierung längst das Handwerk erreicht, wenn auch das Potenzial nicht ausgeschöpft wird. Viele Handwerker meinen, sie brauchen das nicht.
Pfeifer: Im Verhältnis zu Restitalien sind die Handwerker in Südtirol beim Internet gut aufgestellt. Im Verhältnis zu Deutschland hinken sie nach, vor allem bei den Themen Kundenorientierung, Datenmanagement und Marketingplan.
 

Wieso setzen Südtirols Handwerksbetriebe heute noch so selten digitale Technologien ein?
Pfeifer: Wenn wir vom Marketing sprechen, übersieht die Mehrheit der Handwerker die enorme Chance des Internets für die Auftragsgenerierung. Daten sammeln und sie über verschiedene traditionelle und moderne Kommunikationsmittel klug zu bespielen, ist heute unentbehrlich. Sprechen wir von Organisation und Produktion, so sehe ich vielfach ECM-Soft ware zur digitalen Dokumentenverwaltung oder ERP-Software zur Steuerung von Ressourcen im Einsatz. CAD-Programme und digital gesteuerte Maschinen, das Internet der Dinge und die Produktion 4.0 sind hingegen bei vielen Handwerksberufen gang und gäbe.
 

Zeitungsartikel lesen
 

Kerschbaumer: Die Handwerker sind zwar für die Digitalisierung offen und die Kundenbeziehungen werden oft über CRM-Software digital gepflegt, es werden jedoch nicht immer genug Ressourcen für dieses Thema gebunden. Da eine Homepage ständig aktualisiert werden muss, fehlt es in den Kleinbetrieben oft an ausgebildetem Personal und an finanziellen Mitteln. Das Sparpotenzial wäre aber gerade dank der Digitalisierung enorm.
 

Wie machen Handwerker auf sich und ihre Leistungen aufmerksam?
Kerschbaumer: Handwerker verlassen sich vielfach heute noch auf die Mund-zu-Mund-Werbung. Sie ist zwar wichtig, reicht aber heute nicht mehr aus. In den Tag hinein leben, ist nicht sinnvoll. Wenn die eigene Website heute Pflicht ist, so muss man die Suche optimieren. Es sollen Einträge in Online- Verzeichnissen wie Google Maps überlegt werden, genauso wie die Präsenz bei den sozialen Netzwerken, Facebook, Instagram oder LinkedIn.
Pfeifer: Ob Print- oder Onlinewerbung, die Werbeflut wächst stetig – es sind heute durchschnittlich 3000 Werbebotschaften täglich pro Person. Kein Wunder, dass sich Werbefrust und Informationsmüdigkeit breitmachen. Die Herausforderung ist, wie ich es schaffe, aus Kontakten Kunden und aus Einmalkunden loyale Wiederkäufer zu entwickeln. Hier sind neue Wege gefragt.
 

Und die wären?
Pfeifer: Werbeplanung ist komplex. Die Bedeutung des Dialogs mit dem Kunden steigt. Dank der Möglichkeiten der digitalen Daten kann der Kunde persönlich angesprochen und der Dialog authentisch gestaltet werden. Hier steckt eine große Chance für den Betrieb, einen Schritt voraus zu sein. Die klassische Werbung über Print hat entgegen aller Prognosen deutlich zugelegt. Die Tendenz geht in Richtung Erlebnismarketing.
Kerschbaumer: Das Südtiroler Handwerk hat alle Karten, um auch über die Grenzen unseres Landes hinaus zu trumpfen. Die Basis für jede Exportigkeit ist ein professioneller Internet-Auftritt und die Bespielung digitaler Daten für die Gewinnung neuer Kunden und für die Konsolidierung des Betriebes auf einem neuen Markt. Qualitätsprodukte erfordern wertvolle Kommunikation. Davor sollten die Handwerker keine Berührungsängste haben, sondern ihr Können und ihre Leistungen wirkungsvoll sichtbar machen.
 

Wie kann ein Handwerker die Kundendaten und Informationen besser nutzen?
Pfeifer: Es geht darum, wie ich verschiedene Kanäle verzahnen kann und Kundendaten nutzen will. Es stehen unzählige Möglichkeiten zur Verfügung. Online, offline – heute braucht ein Unternehmen beide, will es beim Kunden ankommen.
Kerschbaumer: Die Digitalisierung wirft viele Fragen auf, wie die Sicherheit der Daten oder die Privacy. Fakt ist, dass es kein Zurück geben wird. Wir können aber diese neue Welt und ihre Vorteile für uns und unser Geschäft nutzen. Ob wir manchmal aussteigen wollen, entscheiden wir persönlich. Das ist der wahre Luxus heute.
 

© Manufakt

admin